


Minoru Onoue und der kleine Hund, der immer den längeren Weg nimmt
Pochacco hat keinen Künstler in dem Sinne, wie Labubu einen hat. Er hat einen Designer — und ein Unternehmen, das seit 37 Jahren darauf achtet, dass er sich nicht zu sehr verändert.
Designer, nicht Künstler
Minoru Onoue schloss 1978 sein Studium des Grafikdesigns an der Tama Art University ab und kam als Character Designer zu Sanrio. Bevor er Pochacco zeichnete, arbeitete er an einigen kleineren Figuren des Unternehmens — und danach schuf er noch Picke Bicke (1994). Irgendwann verließ er Sanrio und arbeitet bis heute als freier Illustrator: Er entwirft Figuren für Kindersendungen, Materialien für Kindergärten und Illustrationen für Kindermagazine.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Hinter Labubu steht Kasing Lung, der jede Serie mit seinem Namen signiert. Pochacco gehört Sanrio — seit Jahren betreut ihn ein Team hausinterner Designer, deren Namen wir meist nicht kennen. Onoue gab ihm seine Form. Sanrio gab ihm 37 Jahre Leben.
Pocha-pocha
Der Name geht auf das japanische lautmalerische pocha-pocha zurück — so beschreibt man etwas Pummeliges, Rundliches und Weiches. Daher sein beliebtestes Detail: die Pausbacken. Dazu weißes Fell, schwarze, abstehende Ohren und ein Gesicht ohne erkennbaren Mund, wie bei den meisten Sanrio-Figuren.
Sein Debüt gab er im August 1989 nicht in einem Zeichentrickfilm, sondern im Regal — als Linie von 34 Produkten für Grund- und Mittelschüler: Schulsachen, Taschentücher, Plüschtiere, Sweatshirts. So entstanden Sanrio-Figuren damals. Man lernte sie im Laden kennen, nicht auf dem Bildschirm.
Immer der längere Weg
Pochacco liebt Spaziergänge — und wählt immer die längere Route. Er ist neugierig, ein wenig tollpatschig und steckt seine Nase gern dorthin, wo sie nicht erwünscht ist. Seine Lieblingssorte ist Bananeneis, seine Lieblingsblume der Chinesische Tragant. Auch seine Maße gibt Sanrio auf eigene Art an: Er ist vier Becher Bananeneis groß und wiegt so viel wie drei riesige Karotten aus dem Familiengarten.
Eine Figur, deren ganze Philosophie in eine einzige Gewohnheit passt: sich nicht beeilen, denn unterwegs kann man jemanden kennenlernen.
Und tatsächlich — auf diesen Spaziergängen hat er 29 Freunde gesammelt, darunter die drei Küken-Schwestern Piichans. Geboren wurde er am 29. Februar, seinen echten Geburtstag feiert er also nur in Schaltjahren.
Fünf Jahre an der Spitze
In den ersten zwei Jahren wuchs er langsam. Der Durchbruch kam 1991, als auf Sanrios Frühjahrs- und Sommerdesigns ein Pochacco auftauchte, der sich ein T-Shirt überzieht. Seitdem ist das kleine Shirt sein Markenzeichen, und er gewann das Sanrio Character Ranking — die Abstimmung der Fans — fünfmal in Folge, von 1991 bis 1995.
Ein zweites Leben
Dann wurde es still. Als Sanrio 2017 eine neue Designserie für ihn herausbrachte, war es Pochaccos erste eigene Serie seit 18 Jahren. Geholfen haben die Retrowelle der 80er und die Kinder der 90er, die erwachsen geworden waren und begannen, für sich selbst zu kaufen.
Die Serie Ice Cream wurde bereits mit Blick auf Erwachsene entworfen: Mintgrün als Leitfarbe und statt dicker schwarzer Konturen feine, handgezeichnete Linien. Ein Jahr später folgte die Serie oshiri — also … mit Pochaccos Po. Die Idee kam von Fans, die bei Autogrammstunden immer wieder sagten, dass sie genau das an ihm am meisten mögen.
Heute ist er wieder ganz vorn dabei: Platz 2 im Ranking 2024, Platz 3 im Jahr 2025 und Platz 3 im Jahr 2026. Der Designer, der heute für die Figur verantwortlich ist, sagt in einem Gespräch für Sanrio, er wünsche sich, dass Pochacco nicht nur von den Kindern der 90er geliebt wird, sondern auch von ihren Kindern und Enkeln.
Wen und was man kennen sollte
Pochacco und die ganze Sanrio-Truppe warten bei uns — von Figuren bis zu Blind Boxes.
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